Fußball-Muffel im Deutschen Fußballmuseum

Wie ein Fußball-Muffel das Deutsche Fußballmuseum erlebt

Es gibt Sportarten, die mich mehr begeistern als Fußball. Dennoch hat mir der Besuch des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund Spaß gemacht und den Sport ein Stück näher gebracht.

Die aktuelle Tabelle der Bundesliga kenne ich nicht, die Spieler beim BVB nur teilweise. Die Abseits-Regel hingegen könnte ich halbwegs erklären und eine Handvoll Sprüche, die man braucht, um einen Fußballabend mit Freunden zu überstehen, habe ich in petto. Ich bin gespannt, ob der Besuch im Fußballmuseum dieses Wissen erweitern kann.

Gesprächige Gäste im Fußballmuseum

Schwere Taschen und Jacken im Untergeschoss abgeladen, WC nochmal aufgesucht und los geht es mit der Fahrt durch den sogenannten „Spielertunnel“ – die Fahrt mit der Rolltreppe in das zweite Obergeschoss führt vorbei an einer bunten Fankulisse, die hörbar in Stimmung bringt.

Die Geräuschkulisse bleibt während des ganzen Besuchs präsent: Im gesamten Museum herrscht ein Grundrauschen, da in vielen Ecken Videos, Interviews oder Berichte laufen. Das Gefühl, es würde gerade sehr viel passieren und ich dürfte nichts verpassen erinnert an die Atmosphäre während eines Fußballspiels.

Auf dem Weg in den Zweiten Stock begleiten den Besucher stilisierte Fanbilder

 

Mehrmals bin ich mit anderen Besuchern ins Gespräch gekommen. Ein älterer Herr stand fasziniert vor einem altertümlich hergerichteten Zimmer mit Röhrenfernseher, in dem Szenen vom WM-Finale 1954 liefen. Er erinnerte sich noch daran, als kleiner Junge diese Szenen damals live vor dem Fernseher verfolgt zu haben. Er konnte den Kommentar fast mitsprechen. Mit anderen Besuchern versuchte ich Zitate von Sepp Herberger zu raten, was wunderbar ohne tiefe Fußball-Kenntnisse funktioniert.

Ein Besucher hängt Erinnerungen an die WM 1954 nach. Er verfolgt in einem Röhrenfernseher die damalige Übertragung.

Komplexität

Während ich durch das Fußballmuseum schlendere und überall von Spielständen in einer bestimmten Spielminute lese, wird mir klar, wie wichtig dieser Zusammenhang für die Beschreibung eines Fußballmomentes ist. Das System hinter dem Sport ist komplex. Nach dem Museumsbesuch weiß ich, welche Unmengen an Daten von jedem Spiel erfasst werden: Komplexe Tracking Systeme errechnen Positionsdaten oder gelaufene Kilometer. Das alles ist in großen Bibliothek gespeichert, in der jedes Spiel der oberen Ligen angelegt ist.
Auch das Regelwerk und Gesetze spielen eine große Rolle. Spannend fand ich eine Ecke, die sich dem Schiedsrichter widmet.

Der Spielstand und Spielminuten gehören in der Fußballwelt zu jedem Bericht über besondere Ereignisse.

Starker Fokus auf die WM 2014

Nach meinem persönlichen Fußballmoment suche ich leider vergeblich. Es war die EM 1996, die deutsche Mannschaft gewinnt mit Trainer Berti Vogts das Finale durch Oliver Bierhoff und das erste Golden Goal. Die Freude- und Feierszenen nach dem Spiel habe ich als kleines Mädchen in einer Hütte im Schwarzwald am Fernseher verfolgt und hätte sie gern noch einmal gesehen. Möglicherweise habe ich gerade diese Aufzeichnungen nicht gefunden, denn das Fußballmuseum bietet so viel medialen Input, dass ein Besuch nicht ausreicht, um alles zu sehen.

Auch von der WM 2006 in Deutschland hätte ich mehr erwartet. Immerhin waren damals alle irgendwie involviert. Es gab eine Menge Volontäre und Personen, die starke Erlebnisse mit der Zeit verbinden. Ein großer Bereich im Museum ist der Weltmeisterschaft 2014 gewidmet. Klar, die deutschen haben das Turnier gewonnen und die Erinnerungen sind noch frisch. Apropos „frisch“: Dass die Schuhe, die Mario Götze beim Siegesschuss im Finale der WM 2014 trug, ausgestellt sind, wusste ich schon – dass sogar noch Gras daran klebte, das hat mich wiederum überrascht.

Was ich nach dem Besuch auch weiß: Fußballspieler sind weder gute Musiker noch gute Schauspieler.

Fazit: Ein Museum für alle!

Nach gut drei Stunden im Museum, fühle ich mich bereichert. Mein nächstes Fußballspiel verfolge ich mit geschärftem Blick. Ich denke, ein zweiter Besuch würde mich nicht langweilen, denn es gibt viele Ecken, die noch intensiver erkundet werden könnten. Allein die abwechslungsreiche, moderne und originelle Aufmachung der Ausstellungstücke hat Unterhaltungswert.

Sicher durchlebt ein wahrer Fußball Fan mehr Emotionen als ein Muffel wie ich, dennoch kann jeder Besucher hier etwas mitnehmen. Übrigens ist die gesamte Ausstellung auf Englisch erfahrbar, für Kinder stehen viele Hocker und Mitmachstationen bereit.

Zum Abschluss noch drei Tipps:

  • Ein Euro für Garderobenschrank
  • Drei gute Stunden für den Besuch einplanen
  • Kleine Stärkung zwischendurch im  N11 Bar & Restaurant einnehmen

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