Stadtmodell Dortmund

Stadtmodell als Relief-Plan in Dortmunder Innenstadt

Auf Fingerspitzen durch die Straßen spazieren, das ist mal was ganz anderes. Das weiß und erlebt die Dortmunder Gästeführerin, Anja Hecker-Wolf nun häufiger. Am bronzenen Stadtmodell von Felix und Egbert Broerken treffe ich  Anja Hecker-Wolf.

Wir ertasten die Anordnung der Plätze und Gassen mit unseren Fingern. Bemerken die Größenunterschiede zwischen Häusern und Kirchen und erfassen die Struktur der Dortmunder Innenstadt mit allen Sinnen.

Dortmund von oben sehen oder fühlen – das ist schon was ganz besonderes meinen wir. Und gerade blinde Menschen können durch Tasten die Dimensionen der Stadt besser begreifen. Das hat Anja Hecker-Wolf auch bei Ihrer Schulung zum bundeseinheitlichen Zertifizierungssystem „Reisen für Alle“ gelernt. „Tasten ist kein Notbehelf, es hat eine eigene Erlebnisqualität“ sagt Anja Hecker-Wolf, die individuelle Stadtführungen auch für Menschen mit Behinderungen anbietet.

Auch all die anderen Menschen haben jede Menge Spaß beim Betrachten und Erfühlen der Türme von St. Reinoldi, St. Marien, St. Petri und St. Johannes Baptist.

Als wir am Modell stehen, kommt der ehemalige Direktor des Stadtgymnasiums mit seinem Besuch aus Berlin vorbei und schaut sich begeistert den Reliefplan an. Er sucht das Stadtgymnasium, das allerdings in diesem aktuellen Stadtplan nicht zu sehen oder zu fühlen ist, da es außerhalb des Wallrings liegt. Das war nicht immer so, denn um 1543 lag die evangelische Gelehrtenschule, das Archigymnasium und heutige Stadtgymnasium, noch innerhalb der damals zehn Meter hohen Stadtmauern der Hansestadt Dortmund. So ins Gespräch gekommen, meint ein anderer Passant, dass es doch sehr schön wäre, wenn ein weiteres historisches Stadtmodell hinzukommen könnte, da das Stadtbild Dortmunds durch den zweiten Weltkrieg stark verändert wurde.

Auch Anja Hecker-Wolf würde dies erfreuen. Dortmunder Gäste könnten schnell einen umfassenden Eindruck über die facettenreiche Dortmunder Stadtgeschichte bekommen und so den besonderen Charakter der Stadt fühlen können. Außerdem hätte man dann immer einen idealen Startpunkt für Stadtrundgänge, meint Anja Hecker-Wolf.

Und plötzlich kommt noch ein pfiffiger, kleiner Junge vorbei zeigt auf das Stadtmodell und ruft laut: „und das ist die Reinoldikirche!“

Stadtmodell Dortmund - total
Der bronzene Stadtplan bildet die aktuelle Innenstadt Dortmunds in 3D ab und ist für jedermann ertastbar.

Übrigens schenkte der Lions-Club der Stadt Dortmund den bronzenen Relief-Stadtplan im Maßstab 1:800 anlässlich seines 60. Geburtstags. Das Tastmodell steht seit dem 21. März 2017 auf dem Boulevard Kleppingstraße in Höhe des Marienkirchhofs.

Gefertigt wurde das Modell von Egbert Broerken und seinem Sohn Felix. Gut ein Dreivierteljahr arbeiteten die Künstler an dem Projekt. Alle Gebäude und Häuserzeilen wurden hierfür fotografiert und maßstabgetreue, architektonische Modelle gebaut. Anschließend modellierten sie Wachsmodelle künstlerisch, die dann in Bronze gegossen wurden. Über einhundert Stadtskulpturen sind inzwischen im Atelier der beiden Künstler, die übrigens aus der Region stammen, entstanden.