Die Stadt als Leinwand

Generell mag es die Street Art Szene nicht, wenn zu viele Geschichten über ihre Arbeit erzählt werden. Schließlich ist der Ursprung eine Subkultur und nicht alle Aktivitäten sind erlaubt. In Dortmund gibt es inzwischen recht viele großflächige Wandbilder (Murals), die legal angebracht wurden. 26 Murals gibt es bereits, bei deren Entstehung die 44309 Streetart Galery mitgewirkt hat. Ende des Sommers werden es sogar 28 sein.

Im Rahmen des Transurban Festival bietet die Galerie Rundgänge zum Thema an. Ich habe eine dieser Führungen mitgemacht und dadurch Hintergrundinfos über die Bilder bekommen, die ich schon so oft gesehen habe. Neun Stationen schaffen wir in unserem kleinen Spaziergang, bei dem wir uns keine 200 Meter von der Galerie weg bewegen.

Monia, eine Mitarbeiterin der Galerie, beginnt die Führung mit geschichtlichen Entwicklungen der Street Art und führt einige Vokabeln wie Tag, Graffiti, Mural oder Crew ein.

Direkt neben der Galerie im Hauseingang steht ein gesprühter Bettler („the Beggar“) mit Ratte. Blek the rat gilt als Mitbegründer der Stencil-Art. Die Ratte ist für ihn “the only animal to survive the apocalypse“, wie es auf seiner Webseite heißt.

Eine Ecke weiter grüßt uns „Alexandre“ von der Wand. Alexandre ist der Sohn von Blek le rat und hat hier in Dortmund ein Praktikum in der Streetart Galery gemacht als die Arbeit entstand.

Viele Künstler aus Brasilien

Die wohl am meisten fotografierte Wand ist die in der Humboldtstr. 1, wo der renommierte Künstler Claudio Ethos aus Brasilien malte. Sein Werk ohne Titel lässt viele Interpretationen zu, es scheint um gestörte Kommunikation und den Zwiespalt zwischen den urbanen Metropolen Brasiliens und dem traditionellen ländlichen Raum zu gehen. Monia erklärt, dass die Galerie gute Beziehungen zu brasilianischen Künstlern hat und darum auch insgesamt zehn Murals im Viertel von Brasilianern stammen.

Direkt gegenüber hat sich 2016 Swiz mit einem farblich warmen Mural verewigt. Der französische Künstler Swiz verfremdet Schriftzüge so sehr, dass sie kaum mehr lesbar sind. Er zerlegt die Worte in geometrische Figuren und spielt mit Farben, Formen und Proportionen.

Die nächste Künstlerin, die Monia uns präsentiert, ist Alice Pasquini, eine der wenigen Frauen, die in der Szene bekannt geworden ist. Sie hat inzwischen drei Wände in Dortmund mit ihrem sanften Blick auf  meist weibliche Figuren gestaltet.

Alices Arbeiten zeichnet außerdem aus, dass sie die Beschaffenheit und Struktur der Wände einbezieht und die Fläche nicht vorab grundiert. So kann man hier in der Langen Str. 4 bei dem Bild „“People May Come, People May Go“ noch Tags und Parolen durchschimmern sehen.

Die farbenfrohe Wandgestaltung am Königswall 29 wurde im Mai 2017 fertig, Hier malte das Team von The London Police (TLP) seine typischen Charaktere an die hohe Wand. Man kann annehmen, dass die Künstler für die Skyline vom Florianturm und U-Turm inspiriert wurden, aber zu unserer Dortmunder Skyline gehören noch eine Menge anderer wichtiger Gebäude.

BOB und CHAZ aus England arbeiten seit Jahren zusammen und kombinieren ihre beiden Motive von den fröhlichen comicartigen Figuren – den „Lads“ und abstrakten Stadtlandschaften. (c) Streetart Galery

Kaum übersehbar ist das breite grau-rosane Mural, welches die nächste Station beim Rundgang ist. Mark Gmehling, ein Dortmunder Künstler und Illustrator hat das Wort „Hype“ mit den für ihn typischen schlangenartigen Elementen gestaltet. Beim Blick von der Seite, treten nicht nur die Vorsprünge hervor, sondern auch ein Einblick in das Gehirn der dargestellten Figur. Hier habe ich ein schönes Making off Video von der Wand gefunden.

Spannend an der Arbeit „Hype“ ist, wie Mark Gmehling Vorsprünge und Säulen so bemalte, dass sie bei einer frontalen Betrachtung verschwinden. (c) Streetart Galery

Zu gleichen Zeit wie „Hype“ sind zwei weitere Arbeiten von internationalen Künstlern in der Ritterstraße entstanden. Eine davon ist die erste von insgesamt vier Wänden, die Rodrigo Branco gestaltete. Es war die erste große Fläche, die er malte. Sie zeigt ein Porträt in seinem Stil geometrischer Fragmente mit roter Nase und betonten Wangen. Diese hohe Hauswand kann man schon bei der Zugeinfahrt aus Westen in den Dortmunder Hauptbahnhof sehen.

Gleich daneben hat L7M zwei Adler an die Wand gezaubert. Normalerweise malt der Künstler bunte Paradiesvögel in Neon Farben. Warum diese Vögel hier etwas grau geraten sind, ist nicht ganz klar. Kennzeichnend für seine Arbeiten sind die realistischen Köpfe im Seitenprofil, die dann in abstrakte Farbpuzzle zerflattern.

Der brasilianische Künstler L7M gestaltete diese Wand in der Ritterstraße (c) Streetart Galery

An dieser Stelle endet der Rundgang, obwohl noch viele weitere Wände erlaufen und viele Anekdoten erzählt werden könnten. Wer Lust hat, auch die anderen Murals zu erkunden, kann sich an dieser Karte orientieren, die ständig aktualisiert wird und alle Arbeiten listet, bei der die Streetart Gallery involviert war. Monia berichtete auch von der Schwierigkeit als Koordinierungsstelle zwischen Wandeigentümer, Künstler und Auftraggeber zu agieren und neue Freiflächen oder Finanzierung zu finden.

Wer weitere Infos zu den Künstlern haben möchte, der sollte einen der angebotenen Rundgänge mitmachen oder einfach bei der Galerie vorbeischauen und das Gespräch mit den Betreibern suchen.

Im Rahmen vom Transurban Festival stehen aktuell noch diese Termine für Rundgänge an:

20.06.2017 um 18 Uhr
25.06.2017 um 14 Uhr
02.07.2017 um 14 Uhr