Auf Taschenlampenführung in der Kokerei Hansa

Wenn die Dunkelheit hereinbricht, gehen auf Hansa die Lichter an und pünktlich um 21.00 Uhr starten wir, mit Taschenlampen ausgerüstet, den Weg von der Kohle zum Koks. Geleitet von unserem Guide Klaus-Peter – auf’m Pütt duzt man sich nämlich – besteigen wir den Kohlenturm, von dem wir einen unvergleichlichen Blick auf unsere schöne Stadt bei Nacht haben.

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Guide Klaus-Peter hat früher selbst auf der Kokerei Hansa gearbeitet

Dass Dortmund früher ein Zentrum der Schwerindustrie war, sieht man heute noch an einigen Stellen im Stadtbild. Ein Überbleibsel aus der alten Zeit ist die Kokerei Hansa im Stadtteil Huckarde. 1928 wurde die Großkokerei in Betrieb genommen, 1992 stillgelegt – heute ist sie ein Industriedenkmal. Neben dem normalen Betrieb finden Führungen statt, in unserem Fall freitagabends, ausgerüstet mit einer Taschenlampe!

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Der Blick vom Turm auf die Stadt

Dabei erfahren wir, dass die Kokerei zu Hochzeiten, mit ihren 314 Öfen täglich aus 7000 Tonnen Kokskohlenmischung bis zu 5400 Tonnen Koks verarbeitete – später hauptsächlich für die Hüttenwerke Phoenix.

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Wir folgen der Kohle über Förderbänder bis hin zu den Ofenbatterien, wo die Kohle zu Koks „gebacken“ wurde. Von Klaus-Peter, der selbst auf Kokerei Hansa einfuhr, lernen wir, wie Hassan, sein Befüllungswagenfahrer, die Kohle zu den Ofenbatterien brachte und später Friedhelm, sein Löschzugfahrer, das entstandene Koks aus dem Kokskuchenführungswagen, mit seinem Löschzug unter dem Löschturm herunterkühlte. Das Herunterkühlen mit Wasser führte zu den charakteristischen, regelmäßig von Kokereien ausgestoßenen Wasserdampfwolken.  Die wiederum führten dazu, dass alle Huckarder bei Ostwind schnell die Fenster schlossen und ihre Wäsche hereinholten. Neuzugezogene taten dies dann spätestens, nachdem sie merkten, dass auf ihre Wäsche ein Koksregen niedergegangen war.

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Auf der Kokerei wird an vielen Stellen ersichtlich, dass die Natur sich das Gelände zurückerobert hat. So beobachten wir vom Kohlenturm ein Turmfalkenpärchen, von denen sich zwei auf dem Kokereigelände angesiedelt haben. Zuerst lernt man bei einer Führung die schwarze Seite der Kokerei kennen, wo das Koks produziert wurde. Später gelangt man zur weißen Seite der Kokerei, auf der man viel über die Nebenprodukte der Koksherstellung erfährt.

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Das Highlight der Führung ist die Inbetriebnahme des liegenden, dampfbetriebenen, zweistufigen, doppeltwirkenden Gaskolbenkompressors in der Maschinenhalle.

Die Nachtlichtführungen finden freitags (April- Oktober 21.00 Uhr, November-März 20.00 Uhr) statt und dauern ca. 2 Stunden. Festes Schuhwerg und wetterbedingte Kleidung werden empfohlen. Diese und alle weiteren Führungen findet Ihr hier: http://www.industriedenkmal-stiftung.de/docs/06205707931003_de.php

Text und Fotos: Ann-Kathrin Körner