Melanie schreibt 4 Monate übers Ruhrgebiet: „Die Menschen sind hier sehr offen“

Melanie Huber ist 28 Jahre alt ist eine von zehn Stipendiaten, die in diesem Sommer als Regionsschreiber nach NRW gekommen sind. Vier Monate lang, von Juli bis Oktober, lebt sie im Ruhrgebiet. Als Stadtschreiber sollen die Stipendiaten „unterwegs sein und ihre Eindrücke zum Alltag und der kulturellen Vielfalt in der Region auf dem Blog präsentieren“, so wünscht es sich das Projekt stadt.land.text, welches vom Land NRW gefördert wird.

Als Webcam unterwegs

Diesen recht offenen Ansatz hat Melanie für sich selbst und ihre Texte eingegrenzt und befolgt Regeln: Wie eine Webcam beobachtet sie das Geschehen an einem bestimmten Ort und codiert ihre Texte mit einer Anfangs- und einer Endzeit, in der das Beobachtete geschieht. Sie möchte mehr beschreiben und weniger kommentieren. Das Konzept ist nicht ganz neu, in ihrem ersten Blogbeitrag erklärt Melanie woher die Idee kommt.

Was ihre Ohren im Stadtraum aufschnappen wird notiert und später als Zitat verwendet. Meist bleibt sie beim Beobachten unbemerkt, weil sie nicht mit Zettel und Stift sondern mit dem Smartphone notiert. Ein junges Mädchen, dass stehen bleibt und auf dem Smartphone tippt, das ist in der heutigen urbanen Welt extrem unauffällig.

Nach gut einem Monat in Dortmund habe ich Melanie getroffen und gefragt, ob ihr Plan aufgeht. Sie hat nun schon zehn Texte veröffentlicht und Material für viele weitere Beiträge gesammelt. „Das Konzept geht auf, aber vier Monate reichen nicht, um alle Themen zu bearbeiten“, sagt sie.

Den Platz von Amiens mag Melanie besonders gern, weil sie in der französischen Partnerstadt von Dortmund ein Auslandssemester verbracht hat.

Bisher war die Schreiberin viel in Dortmund unterwegs, hat sich die Stadtviertel angeschaut, die Zeche Zollern und die wichtigsten Museen besucht. In den nächsten Wochen sollen auch andere Ecken des Ruhrgebiets in den Fokus rücken. Eine Haldentour ist geplant, die Ruhrfestspiele und ein Besuch der Cranger Kirmes stehen auf dem Programm. Inzwischen hat Melanie, die ursprünglich aus Kiel kommt, viele persönliche Empfehlungen und Tipps bekommen, denn „man kommt leicht in Kontakt mit den Menschen hier“, erklärt sie.

Ihre Beiträge sind gut recherchiert und ihr Blog unterhaltsam und informativ. Die literarischen Texte werden ergänzt um Infoboxen, Markierungen auf der Karte und Fotos. Wie in einem kleinen Reisetagebuch sammelt Melanie neben den Webcam-Beobachtungen und Anekdoten auch Wissen über die Orte an und dokumentiert ihre Erfahrungen.

Nach der Frage, ob sie sich vorstellen könnte, in Dortmund zu leben, antwortet die Kielerin nach kurzem Zögern mit einem deutlichem „Ja, man kann hier gut wohnen“. Ihr eigener Lieblingstext bisher ist übrigens der über das Kaiserviertel in Dortmund

Melanie ist live zu erleben:

Lesung zum Halbzeit Bergfest: 31. August 2017 in Aachen, Depot Talstraße
Lesung bei der Museumsnacht am 23. September 2017 im Depot Dortmund