Sich dreckig machen im echten Bergwerk

Es ist definitiv ein Geheimtipp und kein Ausflug für jedermann: Das Besucherbergwerk Graf Wittekind liegt unterhalb der Hohensyburg im Mittelpunkt des Syburger Bergbauweges.

Nachweislich wurde hier seit 1582 Steinkohle sehr dicht unterhalb der Oberfläche abgebaut.
Seit 1989 kümmert sich ein Arbeitskreis aus Ehrenamtlichen um den Erhalt des stillgelegten Stollen und die weitere Erschließung verschütteter Tunnel. Etwa 500 Meter sind unter Tage bereits erschlossen, die Helfer arbeiten stetig daran, weitere Wege zu graben und so wird hier praktisch heute noch abgebaut.

Heinz-Ludwig Bücking (66) ist der Arbeitskreis-Leiter und nimmt uns einmal mit unter Tage. Bevor es jedoch losgeht, werden die Besucher belehrt und eingekleidet. Denn auf einem Ausflug im Besucherbergwerk wird man richtig schmutzig: Overall, Knieschoner, „Arschleder“ und Helm sind genauso notwendig wie eine Lampe für jeden.

Über eine 30 Meter lange Strecke rutschen wir in den Stollen.

Nachdem wir aufrechtstehend einige einleitende Worte hören geht es ab nun im gebückten Gang oder sogar auf allen Vieren weiter durch die engen schwarzen Gänge, die noch dazu recht feucht sind.
Die leidenschaftlichen Erklärungen der verschiedenen Flöße und Gesteinsschichten, die uns Heinz-Ludwig Bücking weiter unten, während wir geduckt im Schacht sitzen, in den wir über eine Rampe gut dreißig Meter in die Tiefe gerutscht sind, langweilen keinesfalls. Es ist anschaulich und sichtbar, wie man damals wie heute in Handarbeit schweißtreibende Arbeit betrieb, um wenige Zentimeter voran zu kommen.

Heinz-Ludwig Bücking erklärt die Arbeit unter Tage

Am Ende müssen wir einen steilen Schacht hochklettern oder besser gesagt robbend hochkriechen. Kein Wunder, dass die Höhlenretter der Feuerwehr an solch einem authentischen Ort alljährlich ihre Übungen durchführen. Das ist schon ziemlich anstrengend. Bücking, der fast jedes Wochenende im Bergwerk ist, um Besucher zu führen oder mit Ehrenamtlichen Helfern das Bergwerk weiter auszubauen, steht da besser im Training, als wir.

Fazit: Das Besucherbergwerk ist ein faszinierender Ort, der nur geeignet ist für Menschen ohne Platzangst, die etwas sportlich sind und keine Scheu vor Dreck haben. Wer richtig mit anpacken möchte, kann anstatt als Besucher, als Helfer in den Stollen gehen. Die Ehrenamtlichen freuen sich über jeden, der mithilft und wenn es nur ein Tag ist.

Nach dem Besuch im Bergwerk

Das Tageslicht scheint grell in die Augen, als wir aus dem Stollen rauskriechen.

Übrigens war auch schon der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann im Bergwerk, denn einige Szenen für den Kinofilm „Junges Licht“ (2016), wurden im Stollen gedreht.

Führungen gibt es nur samstags nach Voranmeldung. Weitere Informationen gibt es hier

Bei unserem Besuch haben für Euch ein 360 Grad Video gedreht: