Bier und Fußball in Dortmund? Na klar! Aber Schach?!

„Das Faszinierende an Schach sind die unendlich vielen neuen Möglichkeiten. Gleichzeitig bringt Schach – genau wie Musik – Leute zusammen, die eine Leidenschaft teilen.“ (Mara Jelica, 1. Dortmunder Schach-Stadtmeisterin)

Dortmund ist vor allem bekannt für sein gutes Bier und sein klasse Fußball. Schach dagegen haben da wohl schon weniger Leute auf dem Schirm. Dabei tummelt sich gerade die Schachelite in Dortmund: beim Sparkassen Chess-Meeting. Die Dortmunderin Mara Jelica schaut mit ihrem jüngsten Sohn zu. Die erste weibliche Dortmunder Schach-Stadtmeisterin hat mit uns über ihre Liebe zum Schach gesprochen.

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Mara Jelica.

Klassischer Mädchensport ist nichts für die kleine Mara. Die 10-Jährige will lieber das machen, was Jungs tun. In einer Familie mit zwei Brüdern heißt das: Schach spielen. „Nur wenige Mädchen spielen Schach. Das fand ich cool“, berichtet die heute 44-jährige Dortmunderin rückblickend.

 
Also fing sie im Schachverein ihrer Brüder an. Der suchte nämlich händeringend nach Mädchen: „Ich hatte gute Trainer zu Hause: meinen Vater und meine Brüder“, berichtet sie lächelnd. Aber nicht nur das: Die Kleine hat auch Talent und vor allem Willen.

 
Noch bevor sie 20 Jahre alt ist, wird sie an drei Juniorinnenweltmeisterschaften teilgenommen haben. Schach ist ihr Element; denn sie liebt das strategische Denken. Und sie ist gut darin. So gut, dass sie – geboren in Bosnien-Herzegowina – mehr als zehn Jahre lang für die kroatische Nationalmannschaft spielt und 2002 sogar kroatische Meisterin wird.

 

Krieg am Brett

„Wenn du jung bist, interessiert dich nur der Erfolg. Du willst die Beste sein“, sagt sie. Die ein oder andere Träne sei da auch schon mal geflossen. „Schach ist Krieg am Brett“, erklärt sie. „Du führst deine Armee, deine Soldaten.“

 
Mittlerweile sieht sie die Sache mit dem Gewinnen lockerer. „Als echter Krieg ausbrach, wurde mit klar, es ist doch nur ein Spiel“. Ein Spiel, das Spaß machen soll.

Früh übt sich

 

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Im Orchesterzentrum NRW an der Brückstraße 47 findet das Chess-Meeting statt.

Das vermittelt sie jetzt ihren Schülern. Denn sie ist inzwischen Schachlehrerin. Mit Schachbrettern und Figuren im Gepäck unterrichtet sie an 13 Grundschulen in Essen und Dortmund Schach: „Die Kinder lernen dabei viel: Zahlen und Buchstaben, Fair Play und den Umgang mit Sieg und Niederlage.“ Am Ende des Schuljahres können sie das Gelernte dann bei einer Siegerehrung feiern. Wer Feuer gefangen hat, kann mit Mara Jelica sogar in den Ferien auf Schachfreizeit in eine Jugendherberge fahren: „Danach haben die meisten Kinder das Gefühl, dass sie das Spiel gut beherrschen und sind dann richtig motiviert.“

Gespanntes Mitfiebern

Auch ihre eigenen drei Kinder spielen Schach. Der Jüngste sogar U20: „In Dortmund gibt es viele Schachturniere – auch für Kinder.“

Das wohl größte und bekannteste Turnier in Dortmund ist das Sparkassen Chess-Meeting, das vom 14. bis 22. Juli im Dortmunder Orchesterzentrum NRW an der Brückstraße stattfindet: Hier sitzen sich Weltklassespieler gegenüber. Mara Jelica schaut sich es dieses Jahr mit ihrem jüngsten Sohn an: „Es ist spannend zuzuschauen; vor allem wenn vor Ort ein Großmeister kommentiert“, sagt sie. Aber auch online verfolge sie die Spiele live. „Es ist herausfordernd sich in den Spieler hineinzuversetzen und seinen Plan vorherzusehen.“ Dabei sei ihr die Spielstärke egal. „Als Trainerin kann ich von allen etwas lernen.“ Anregungen sucht sie sogar im Fußball, schließlich sei das auch ein taktisches Spiel.

Daten: 14. bis 22. Juli

Tagestickets: 7 Euro (u.a. erhältlich bei der Tourist-Info an der Kampstraße 80)

Training macht den „Meister“

Damit sie selber in Topform bleibt, hat sie sich auch einen Trainer gesucht. Mit diesem übt sie online. Gleichzeitig besucht sie ein Dortmunder Fitnessstudio; übrigens eins, wo nach dem Training das Schachbrett ausgepackt wird: „Für Schach braucht man Kraft. Um fünf bis sechs Stunden überlegen zu können, muss man sich körperlich und mental wohlfühlen.“ Da bräuchte sie auch schon einmal eine Stunde nach Spielschluss, um sich zu erholen „Adrenalin pur!“

Wenig überraschend also, dass Mara Jelica neben ihrer Lehrtätigkeit, weiterhin selber Schach spielt. In der Damenbundesliga und auch für die Herrenoberliga. Da soll noch mal jemand sagen, Schach sei nur etwas für Jungs und Männer.

Schach = Männersport?

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Im Rahmen des Projekts „Schach ist Kunst“ stellt das Orchesterzentrum designte Schachfiguren aus – wie etwa diese von Dieter Gawol.

Tatsächlich gewann Jelica als erste Frau überhaupt 2012 die Dortmunder Schach-Stadtmeisterschaft und setzte sich somit gegen ihre männlichen Konkurrenten – darunter auch ein internationaler Großmeister – durch.

 
Bei ihrer Familie zu Hause sei man sich allerdings trotzdem noch nicht einig, wer denn nun der bessere Schachspieler ist. Sie oder ihr älterer Bruder. „Er meint er und ich meine ich“, grinst sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Geschwisterliebe“.

 

Tipp: Schachspiele gibt es mittlerweile auch als Apps für unterwegs!

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