Ausblick auf den Dt. Ev. Kirchentag: Interview mit Pfarrerin Susanne Karmeier

Susanne Karmeier arbeitet als Pfarrerin an der Reinoldikirche in Dortmund. Sie fährt bereits seit vielen Jahren zum Kirchentag – als Mitwirkende und Teilnehmerin: „Das war bislang immer inspirierend.“ Jetzt freut sie sich auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) in der eigenen Stadt und hat mit uns ihre Vorfreude im Interview geteilt.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 19. bis 23. Juni in Dortmund – auch in der Stadtkirche St. Reinoldi – statt. Tickets gibt’s u.a. bei der Tourist-Information an der Kampstraße 80.

Was bedeutet der Kirchentag für Sie?

Kirchentag bedeutet für mich:

  • ein Festival mit unglaublich vielen, interessanten kulturellen Veranstaltungen
  • eine gute Gelegenheit, um über ganz unterschiedliche Einstellungen zum Leben und zum Glauben ins Gespräch zu kommen und miteinander um Vertrauen zu ringen
  • eine breit angelegte Plattform, um mit anderen – religionsübergreifend – drängende gesellschaftliche Themen auch kontrovers zu diskutieren und mich als Christin (politisch) zu positionieren

Was erhoffen Sie sich vom Kirchentag in der Stadt Dortmund?

Ich habe den Ev. Kirchentag immer auch als ein Experimentierfeld erlebt, wie christlicher Glaube gelebt und gefeiert werden kann. Gerade unter den jüngeren Leuten gibt es richtige „Kirchentagsjunkies“, die mitmachen, helfen, begeistert dabei sind. Mich steckt das an.

Ich hoffe, dieser Funke springt auch in Dortmund über. Wir Dortmunder haben die Chance, Touristen aus ganz Deutschland und aus der weiten Welt unsere Stadt von ihrer besten, gastfreundlichen, lebendigsten Seite zu präsentieren. Und vielleicht bekommen ja auch einige Dortmunder noch mal einen neuen Blick auf ihr Zuhause und erfahren Unvermutetes von der ganzen Bandbreite dessen, was es in Kirche und darüber hinaus gibt.

Wie beteiligt sich die Stadtkirche St. Reinoldi am Kirchentag?

Die Reinoldikirche ist ein Veranstaltungsort des Kirchentags mitten in der Stadt. Aber wir werden aus der Reihe tanzen. Wir werden ein Überraschungsort, eine „Wunderkirche“.

Unsere Türen stehen von morgens bis in die Nacht hinein offen. Jeder kann jederzeit eintreten – auch ohne Kirchentagsticket. Aber was genau in Reinoldi geschieht, wird im Vorfeld nicht verraten.

Nur so viel: Es beginnt immer um 9.30 Uhr mit Bibelarbeiten in prominenter Besetzung und endet um 22.30 Uhr mit politischen Nachtgebeten zu drängenden gesellschaftlichen Fragen: zum Beispiel Klimagerechtigkeit und Weltfrieden. Dazwischen gibt es von Donnerstag bis Samstag zu jeder vollen Stunde neue Anregungen zum Staunen und Nachdenken.

Wir wollen außerdem anregen, sich mit der Losung des Kirchentags „Was für ein Vertrauen“ auseinanderzusetzen.  Anknüpfungspunkte sind jeden Tag die vom Kirchtentag ausgewählten, zum Teil steilen biblischen Geschichten. In ihnen geht um Leid, Verzweiflung, Vertrauenskrisen und um mutige Begegnungen, Wendepunkte, Neuanfänge und die Wirkung von Vertrauen.

Vor der Kirche gibt es ein stadt paradies und täglich immer um 12:30 Uhr und 18:30 Uhr Gute Nachrichten über das, was gut läuft in Dortmund, in Deutschland und der Welt. Es lohnt sich, immer mal wieder „hereinzuschneien“.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich freue mich am meisten auf die Stimmung in der Stadt. Natürlich freue ich mich auch auf die „Acts“ in der Wunderkirche und auf die Menschen, die kommen: die Gäste und die sehr verschiedenen Akteure. Auf ernsthafte Diskussionen. Zusammen philosophieren. Aufs Feiern und – ja, auch auf das miteinander Schweigen und Beten. Auf den Paradiesgarten vor der Kirche.

Besonders gespannt bin ich auf die Performance „Open Air – Gute Nachrichten vom blauen Planeten.“ Alles Gute kommt von Oben. Das kann man in diesem Fall ruhig wortwörtlich nehmen. Laut Kirchentagspräsident Hans Leyendecker soll Dortmund beim Kirchentag zum Ort von Guten Nachrichten werden. Diese Idee greift das Projekt auf, das ich gerade mit dem Regisseur Felix Ritter aus Amsterdam, Journalisten aus Dortmund, den Schauspielern Monika Bujinski und Michael Kamp, dem Musiker Matthias Nagel und Baumkletterern vorbereite. Wir möchten damit der Flut von schlechten Nachrichten und düsteren Prognosen Zukunftsträchtiges und Geglücktes entgegensetzen und die Perspektive verändern.

Die Vorbereitungen verändern jetzt schon meinen Blick auf das Leben und die Welt. Es gibt eine Menge Gutes zu entdecken und das macht wirklich Freude und es macht widerstandsfähiger. Ich hoffe, dass sich etwas davon beim Kirchentag überträgt.

Was sollten sich Besucher des Kirchentages unbedingt anschauen?

Dortmund ist eine interessante Stadt mit einer bewegten Geschichte und anregenden Orten. Da gibt es viel zu entdecken. Und das Programm des Kirchentags ist fast 600 Seiten stark mit mehr als 2000 Veranstaltungen. Es ist für viele Geschmäcker und alle Generationen etwas dabei.

Besonders liegt mir allerdings das Gedenken auf dem Platz vor der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache am Herzen: Am Mittwoch um 14 Uhr setzt der Kirchentag dort ein Zeichen gegen nationalsozialistisches Denken und Rechtsextremismus.

Und eher still, aber hoffentlich begleitet von vielen: Am Samstag nach der Open Air Aktion vor der Kirche werden gegen 18.45 Uhr mit einem am Kirchturm angebrachten Banner der an den Grenzen Europas Gestorbenen gedacht.

ÜBRIGENS: Vom Turm der Reinoldikirche hast du einen grandiosen Blick über Dortmund!

Mehr

Webseite der Reinoldikirche

Webseite des Deutschen Evangelischen Kirchentags

Quelle: Sanktreinoldi

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